
Das Jahr 2025 hat mit vielen Veränderungen gestartet. Gleich zu Beginn des Jahres standen die Neuwahlen an und einher gingen damit viele Verschärfungen und Kürzungen. Von der Politik und den Betrieben haben wir immer wieder Appelle gehört nach dem Motto, wir müssen jetzt alle anpacken und an den entsprechenden Stellen sparen. Doch während an uns Arbeitenden gespart wurde, stand es gar nicht so schlecht um die Unternehmen und ihre Gewinne – Und mit diesem Wissen haben die Beschäftigten in Deutschland auch das Jahr gestartet. Wir wollen gemeinsam einen Blick auf wichtige Arbeitskämpfe und Errungenschaften werfen, die dieses Jahr stattgefunden haben.
Wochenarbeitszeit auf 42 Stunden als Flexibilität?
Zu Beginn des Jahres ging es direkt mit der Tarifrunde im Öffentlichen Dienst los. Ver.di forderte in der Tarifrunde 2025 für die mehr als 2,5 Millionen Beschäftigten im öffentlichen Dienst von Bund und Kommunen ein Volumen von acht Prozent, mindestens aber 350 Euro mehr monatlich für Entgelterhöhungen und höhere Zuschläge für besonders belastende Tätigkeiten. Die Bundestarifkommission für den öffentlichen Dienst (BTK öD) hat am 12. Mai dem, am 6. April erzielten Tarifergebnis für die rund 2,5 Millionen Beschäftigten im öffentlichen Dienst von Bund und Kommunen mehrheitlich zugestimmt; damit tritt der Tarifvertrag in Kraft.
Werfen wir einen Blick in die Kitas in Deutschland, sehen wir, dass dies mehr als überfällig ist. Die Branche, in der mehrheitlich Frauen arbeiten, ist täglich konfrontiert mit zunehmender Belastung im Arbeitsalltag. Aufgrund des akuten Personalmangels sehen sich die Kolleginnen gezwungen, immer mehr Verantwortung zu übernehmen. Wir haben mit unserem Mitglied Sevgi Aslanboga, Erzieherin und Personalrätin der Stadt Geislingen über die Tarifrunde geredet und ein paar Eindrücke gesammelt.
Die Aktuelle Situation in den Kitas und ihre Arbeitsbedingungen beschreibt Sevgi so: „Es wird immer mehr von uns verlangt, wir spüren die zunehmende Belastung im Arbeitsalltag. Die aktuelle Tatsache, dass wir mit immer weniger Personal mehr Verantwortung übernehmen müssen, macht uns krank. Es gibt zunehmend mehr Bedarf an Integrationskräften sowie pädagogischen Fachkräften, da immer mehr Kinder auffälliges Verhalten zeigen oder intensive, individuelle Begleitung benötigen.“
Auf die Frage, wie zufrieden sie mit den Ergebnissen der Tarifverhandlung ist, antwortet sie folgendermaßen: „Zufrieden bin ich ehrlich gesagt nicht mit dem Tarifabschluss und ich bin mir sicher, dass ich damit nicht allein bin. Das weiß ich auch aus Gesprächen mit meinen Kolleginnen. Die Reallöhne schrumpfen, trotz gelegentlicher Gehaltserhöhungen. Gerade in Zeiten hoher Inflation fehlt es an spürbaren Lohnanpassungen. Auf den ersten Blick sehen die Gehaltssteigerungen vielleicht gut aus, aber real betrachtet bleibt oft weniger übrig.“. Außerdem merkt sie an, dass die Forderungen der Arbeiterinnen nach mehr Flexibilität von der Arbeitgeberseite verdreht wurden. Während sich die Beschäftigten für mehr Gestaltungsspielraum eingesetzt haben, wie zum Beispiel Gleitzeitmodelle oder Teilzeit ohne Karriereknick, wurde die Ausweitung der Wochenarbeitszeit auf 42 Stunden vorgenommen.
Auch aus den 8,0 Prozent sind lediglich 3,0 Prozent ab April 2025 und weitere 2,8 Prozent ab Mai 2026 geworden. Aus der Mindesterhöhung von 350 Euro mehr Entgelt sind es mindestens 110 Euro Entgelterhöhung geworden. Ein deutlicher Anstieg ist aber bei den Zulagen zu sehen. Dort sehen wir einen Anstieg beispielsweise für Schichtdienste von 40 auf 100 Euro monatlich oder im Wechselschichtdienst von 105 auf 200 Euro.
Von Sevgi und ihren Kollegen und Kolleginnen hören wir eine Unzufriedenheit mit den Ergebnissen, die berechtigt ist und trotzdem beschreibt sie und sehen auch wir, wie wichtig es war, das die Kolleginnen und Kollegen zusammengehalten haben, auf die Straßen gegangen sind und ihre Rechte vertreten haben.
Gleicher Lohn für gleiche Arbeit
Einen ersten Erfolg konnten wir auch in Berlin sehen. Zwischen der ver.di und der Servicetochter Charité Facility Managements (CFM) der Berliner Universitätsklinik Charité kam es in der Nacht zum 06. Juni 2025 zu einer Tarifeinigung.
In den Jahren 2005/2006 hat die Charité mit der CFM GmbH fast alle Tätigkeiten außerhalb von Medizin und Pflege ausgegliedert. So zum Beispiel den Krankentransport, die Reinigung, die Medizintechnik oder auch die Pflege der Außenanlage. Während also die Altbeschäftigten der Charité nach dem TVöD bezahlt werden, verdienten die Neubeschäftigte von CFM deutlich weniger und arbeiteten unter schlechteren Arbeitsbedingungen, in Teilzeit oder befristeten Arbeitsverträgen. Dies ging so weit, dass zuletzt ein Unterschied von bis zu 700€ monatlicher Bezahlung zwischen den Beschäftigten lag. Das, obwohl sie der gleichen Arbeit nachgingen.
Die Berliner Politik hatte bereits mehrfach versprochen, die Rückführung der CFM in die Charité vorzunehmen, hat dies aber nie angeleitet. Schließlich haben sich die Beschäftigten solidarisch zusammengetan und ab dem 24. Mai in einem Erzwingungsstreik kurzfristig die Arbeit niedergelegt.
Die Tarifeinigung ist ein wichtiger Erfolg für die Beschäftigten der CFM GmbH und muss auch als solches festgehalten werden. Es ist das Ergebnis des Zusammenhalts der rund 3.500 Beschäftigten und es zeigt uns auch, wie wichtig die Solidarität ist. Betriebe wie die Berliner Stadtreinigung zeigten sich Solidarisch, besuchten regelmäßig den Streik und unterstützten die Beschäftigten. Auch Berliner Bündnisse organisierten Veranstaltungen mit den CFM-Beschäftigten. Der Streik bei CFM hat uns gezeigt, dass ein Streik niemals allein den Betrieb betrifft, in dem gestreikt wird. Die Kämpfe, die dort geführt werden, sind unser aller Kämpfe.
Trotzdem müssen wir auch festhalten, dass es immer noch Ungleichheiten im Verhältnis zum Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes gibt, der an der Charité gilt. So bleiben zum Beispiel an vielen Stellen die schlechteren Regelungen des Haustarifs der CFM bestehen. Das betrifft unter anderem Zuschläge, Arbeitsansprüche oder auch das Weihnachtsgeld. Somit rufen wir weiterhin Gleicher Lohn bei gleicher Arbeit und bessere Arbeitsbedingungen für ALLE!
