Über die Aktivitäten an der Erzieherberufsschule in Hamburg Altona
Auszubildende aus Hamburg

Die Situation in den Kitas verschlechtert sich immer weiter, so auch in Hamburg. Die Investitionen in die Einrichtungen bleiben aus und somit die Gewährleistung für eine zuverlässige Bildung und Betreuungsarbeit mit den Kindern. Es fehlen pädagogische Fachkräfte und die verbleibenden kämpfen mit Überlastung, was wiederum zu hohen Krankenständen bei den Beschäftigten führt und die Lage zusätzlich verschärft. Die Folge sind immer schlechtere Betreuungsschlüssel, das heißt, dass eine Fachkraft für die Betreuung von immer mehr Kindern zuständig ist, sodass eine gute und kindgerechte Betreuung längst nicht mehr gewährleistet werden kann. So ist es beispielsweise nicht mehr möglich, pädagogische Arbeit zu leisten, Kinder zu fördern und ihnen z.B. in der individuellen Arbeit gerecht zu werden. Außerdem sind die Löhne für pädagogische Fachkräfte sehr niedrig. Der Einstiegslohn liegt in Hamburg im Durchschnitt bei 1500€ netto, was sowohl in Anbetracht der schlechten Arbeitsbedingungen als auch im Hinblick auf die Bedeutung der Arbeit für die Zukunft viel zu gering ist. Das ist nicht nur bei den Fachkräften der Fall, sondern betrifft auch die Auszubildenden. In den Einrichtungen fehlt die Zeit die Auszubildenden anzuleiten, da sie aufgrund des Personalmangels als vollwertige Arbeitskräfte eingesetzt werden, was zur Überforderung führt. Hinzu kommt, dass die Ausbildung in fast allen Fällen gar nicht vergütet wird, was dazu führt, dass die Auszubildenden auf Sozialhilfe und Nebenjobs angewiesen sind, um sich die Ausbildung leisten zu können. Die Arbeits- und Ausbildungsbedingungen im sozialen Bereich, besonders in der Kinderbetreuung, sind kein Geheimnis, was dazu führt, dass immer weniger Menschen diesen Beruf ausüben wollen. An unserer Berufsschule haben beispielsweise vor zwei Jahren noch acht Klassen pro Halbjahr die Erzieherausbildung angefangen, in diesem Jahr waren es nur noch zwei. All diese Probleme sind nicht neu und obwohl die Bundesregierung um die Lage der Einrichtungen weiß, werden die staatlichen Gelder, die in den sozialen Bereich fließen, stetig reduziert und stattdessen für die Aufrüstung der Bundeswehr locker gemacht.
In Hamburg gibt es ein Netzwerk aus Fachkräften und Eltern, was unter anderem durch die beiden Gewerkschaften ver.di und GEW unterstützt wird und sich aufgrund der Situation in den Kitas gegründet hat. Dieses Netzwerk hatte für Mitte September zu einer Demonstration unter dem Titel „Hamburg droht die KITASTROPHE!“ aufgerufen. Als wir, zwei Erzieher-Auszubildende, von dieser Demonstration erfuhren, war für uns schnell klar, dass wir uns daran beteiligen müssen. Denn gerade wir als Auszubildende, die fast ihr ganzes Berufsleben noch vor sich haben und direkt auf die katastrophalen Arbeitsbedingungen in den KITAs und sozialen Einrichtungen zusteuern, haben nun eine spezielle Rolle und müssen in den Einrichtungen und an der Berufsschule auf diese Themen aufmerksam machen. Um die prekäre Situation für uns, die Beschäftigten, aber auch für die Kinder zu verbessern, müssen wir uns zusammenschließen, was es für uns notwendig gemacht hat, mit unseren Mitschülerinnen und Mitschülern in den Austausch zu kommen und einen starken Auftritt von Auszubildenden auf der Demonstration zu erreichen.
Wir haben uns also vorgenommen, mit unseren Mitschülerinnen und Lehrerinnen in Kontakt zu treten, um auf die Demonstration und ihre Themen aufmerksam zu machen und haben uns dazu verschiedene Mittel überlegt. Wir haben mit vielen unserer Mitschülerinnen und Mitschüler diskutiert, vor unserer und auch vor anderen Klassen vorgesprochen, Plakate an der Schule aufgehängt, Flyer verteilt und ein Treffen zum Schildermalen organisiert, um unsere Forderungen und die Perspektive der Auszubildenden sichtbar auf die Straße tragen zu können.
Der Austausch mit unseren Mitschülerinnen und Lehrkräften war sehr positiv. Es gab keine Person, die nicht von der Situation in den Einrichtungen mitbekommen hat oder sie selbst am eigenen Körper erlebt hat. Auch wenn das eine gute Grundlage für die Diskussionen darstellte, spiegelt es gleichzeitig aber auch die drastischen Realitäten in den Einrichtungen wider. Einige Lehrkräfte haben uns Zeit am Anfang ihrer Unterrichtsstunde gegeben und somit konnten wir in drei Klassen vorsprechen, für das Schildermalen, Werbung machen und die Demonstration ankündigen. Dabei gab es gleich ein paar unserer Mitschülerinnen, die so überzeugt waren, dass sie die Mobilisierung in den Klassen eigenständig vorangetrieben haben. Es war uns möglich den Kunstraum und Materialien für das Schildermalen an der Berufsschule zu organisieren. Auch wenn wir aufgrund der vielen positiven Rückmeldung auf eine größere Teilnahme am Schildermalen gehofft hatten, war das Treffen ein Erfolg und es sind etwa ein Dutzend Schilder zustande gekommen, auf denen unter anderem Sprüche wie „Sorry Kids, Papa Staat hat alles für Waffen ausgegeben“ oder „100 Mrd. Für Bildung und Gesundheit“ zu lesen waren. Das Treffen war außerdem eine gute Gelegenheit, um gemeinsam über die Probleme und Erfahrungen in den Einrichtungen, aber auch über die Forderungen für die Demonstration zu sprechen.
Bei den Verteilaktionen der Flyer konnte uns die IJV-Stadtteilgruppe unterstützen, wobei es besonders wichtig war, dass wir als Auszubildende teilgenommen haben, denn so konnten wir unser gemeinsames Anliegen besser kommunizieren und wurden für unsere Mitschülerinnen und Mitschüler sichtbar. Um Plakate aufzuhängen und eine Durchsage zu machen, sind wir mit der Abteilungsleitung der Schule in Kontakt getreten. Dabei sind wir auf gemischte Reaktionen getroffen. Es gab nicht wenige Lehrkräfte, die sehr überzeugt waren, die Notwendigkeit unseres Anliegens erkannt haben und bereit waren, uns zu unterstützen. Es gab allerdings auch andere, die der Meinung waren, dass es bereits genug Maßnahmen zur Finanzierung der Kitas gäbe. Unter dem Vorwand des „Neutralitätsgebotes“ wurde es uns von der Abteilungsleitung allerdings untersagt, Plakate an der Schule aufzuhängen oder Durchsagen zu machen.
Die dreiwöchige Mobilisierung und unsere strukturierte Arbeit an unserer Berufsschule haben trotzdem in einem starken Auftritt auf der Demonstration gemündet. Wir haben es geschafft, mit etwa 20 Mitschülern teilzunehmen und unsere Forderungen mit Rufen und Schildern nach außen zu tragen. Insgesamt haben 3000 Menschen an der Demonstration teilgenommen, auf der Vertreter des Kitanetzwerks, sowie Gewerkschaftsaktive gesprochen haben, die noch einmal die prekären Verhältnisse und die Dringlichkeit einer Veränderung dieser betont haben. Auch Kinderliederautor Rolf Zuckowski war anwesend und hat einige seiner Lieder gespielt. Die Rückmeldungen der Mitschülerinnen waren sehr positiv. Sie haben durch die Veranstaltung viel Motivation gewonnen und fanden es bestärkend zu sehen, dass sie nicht alleine sind und was man gemeinsam auf die Beine stellen kann.
Sowohl der Auftritt auf der Demonstration, als auch die Arbeit im Vorfeld und die Rückmeldungen im Nachhinein waren sehr bestätigend und unterstreichen die Wichtigkeit unseres Anliegens. Die Aktion war ein großer Erfolg und bietet eine gute Grundlage für eine weitere Arbeit an unserer Schule. Zu sehen, dass so viele Kolleginnen und Kollegen, aber auch Eltern diese Probleme teilen und auch bereit sind, gemeinsam den Kampf dagegen aufzunehmen, hat uns darin bestärkt, auch an unserer Schule noch mehr Leute dafür zu gewinnen.
Denn mit der Teilnahme an dieser Demonstration ist es leider längst nicht getan und der Kampf für die Verbesserung unserer Arbeitsbedingungen noch lange nicht gewonnen. Um die grundlegenden und nötigen Veränderungen im sozialen Bereich, unter anderem in der Kinder- und Jugendbetreuung, anzustoßen, braucht es in erster Linie den Druck aus den Einrichtungen, das heißt den Druck von den Beschäftigten. Dieser kann in ausreichendem Maße nur geschaffen werden, indem sich die Arbeiterinnen und Arbeiter, sowie auch die Auszubildenden, gewerkschaftlich und politisch organisieren und für eine kindgerechte Erziehung bei guten Arbeitsbedingungen kämpfen.
