Pressemitteilung
Der Migrantinnenverband verurteilt zutiefst die Angriffe auf zwei junge Migrantinnen in Hachenbrug und Schweinfurt
Gewalt gegen Frauen ist und bleibt aktuell. Die jüngsten Vorfälle in Hachenbrug und Schweinfurt verdeutlichen auf erschreckend brutale Art und Weise die Gewaltbetroffenheit von jungen Frauen, die nur eines wollten: ein eigenständiges und selbstbestimmtes Leben.
Der Tod an der jungen Büsra (15) in Schweinfurt sowie die lebensgefährlichen Verletzungen an einer 24-jährigen Frau in Hachenbrug können mit keinerlei Rechtfertigungen begründet werden.
Sitten und Bräuche, die ihren Ursprung in gesellschaftlicher Ungleichheit, religiöser Ausgrenzung haben, können und dürfen nicht als „selbstverständlich“ hingenommen werden. Solche Sitten, Normen und Wertevorstellungen, die die Gewalt gegen Frauen, die Zwangsheirat, ihre Unterwürfigkeit und ihre Hinderung an ihrer aktiver Teilhabe im Alltag und anderswo legitimieren, können und dürfen nicht akzeptiert werden.
Wir Frauen im Bundesverband der Migrantinnen in Deutschland e.V. sind der Auffassung – auch aus den Erfahrungen unserer langjährigen Arbeit - dass in diesem Bereich noch viel Handlungsbedarf besteht. Die Morde an jungen Frauen im Namen der Ehre in den vergangenen Tagen und Monaten zeigen, zu welchen tragischen Ergebnissen diese führen können.
Ferner sind wir der Ansicht, dass derartige traditionelle Vorstellungen gerade durch eine fehlende Integrationspolitik maßgeblich bestärkt werden. Solange Migrantinnen und Migranten keine materielle Rechte für ein selbstbestimmtes Leben besitzen, räumlich in soziale Brennpunkte isoliert und für befremdende Debatten von Parteien missbraucht werden, werden patriarchalische Herrschafts- und Denkstrukturen in Familie und Gesellschaft bestehen bleiben.
Angesichts der zunehmenden Zahl von Angriffen auf junge Migrantinnen fordern wir den sofortigen Ausbau von Beratungs- und Schutzeinrichtungen für Frauen.